Woher kommt die Chapeloise eigentlich? Eine Spurensuche

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Bei „Row Well, Ye Mariners“ ging es um einen Tanz mit einem klaren Ursprung – ein gedrucktes Buch, ein Autor, ein Jahr –, bei dem trotzdem widersprüchliche moderne Interpretationen kursieren. Bei der Chapeloise liegt der Fall anders herum: Hier gibt es gar kein Buch, keinen einzelnen Autor, keine gesicherte erste Quelle. Und genau das macht die Spurensuche interessant.

Ein Tanz ohne Geburtsurkunde

Die Chapeloise gehört zum festen Repertoire des Bal Folk – der Tanzszene, die sich seit den 1970er-Jahren aus westeuropäischen Volkstänzen entwickelt hat. Anders als bei Playford gibt es hier keine gedruckte Originalquelle aus vergangenen Jahrhunderten. Bal-Folk-Tänze wurden über Generationen mündlich weitergegeben, verändert, regional angepasst – eine Überlieferungsform, bei der sich „der eine richtige Ursprung“ oft gar nicht mehr sauber rekonstruieren lässt.

Was man über den Namen weiß

Der Name soll auf den Ort Chapelle-des-Bois im Osten Frankreichs zurückgehen. Der Überlieferung nach wurde der Tanz dort in den 1970er-Jahren unterrichtet – die Teilnehmenden kannten den ursprünglichen Namen des Tanzes offenbar nicht mehr und benannten ihn kurzerhand nach dem Ort des Workshops. Eine hübsche Geschichte – aber eben eine Überlieferung, keine belegte Tatsache.

Wie unsicher das Terrain hier tatsächlich ist, zeigt sich schon daran, dass selbst gängige Nachschlagewerke sich nicht ganz einig sind: Manche Quellen nennen andere Jahrzehnte oder andere Namen im Zusammenhang mit der Entstehung. Wenn sich nicht einmal die Grunddaten decken, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass hier eher Legende als dokumentierte Geschichte vorliegt.

Was das für „Notizen aus dem Ballsaal“ bedeutet

Bei Playford kämpfen wir mit zu wenig Text (die Originalquelle ist zu knapp). Bei der Chapeloise kämpfen wir mit zu wenig Quelle überhaupt (nur mündliche Überlieferung, keine schriftliche Fixierung). Beides führt am Ende zum selben Punkt: Transparenz ist wichtiger als eine falsche Gewissheit vorzutäuschen. Ich tanze und unterrichte die Chapeloise so, wie sie in der heutigen Bal-Folk-Szene verbreitet ist – nicht, weil das „historisch korrekt“ wäre, sondern weil es die lebendige, aktuelle Form dieses Tanzes ist.

Wenn du selbst weiterlesen willst: Der englischsprachige Wikipedia-Artikel zur Chapelloise dokumentiert die verschiedenen kursierenden Versionen der Entstehungsgeschichte recht übersichtlich – ein guter erster Anlaufpunkt, auch wenn er selbst zeigt, wie lückenhaft die Quellenlage bei mündlich überlieferten Tänzen bleibt.

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