Woher kommen die Tänze aus Bridgerton wirklich?

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Der erste Teil unserer Reihe „Tanz in deinem Lieblingsfilm“

Ein Ballsaal, hunderte Kerzen, ein Blick über die Schulter, eine Hand, die sich für einen Takt zu lang hält – die Ballszenen aus Bridgerton haben eine ganze Generation neu für historischen Tanz begeistert. Was viele nicht wissen: Die Schrittfolgen, die dort so mühelos und elegant wirken, sind keine Erfindung fürs Fernsehen. Sie haben eine echte, jahrhundertealte Geschichte – und die beginnt nicht erst in der Regency-Zeit, sondern gut 150 Jahre früher.

Ein Engländer mit einem Notizbuch

1651 veröffentlichte der Londoner Verleger John Playford ein schmales Büchlein mit dem Titel „The English Dancing Master“. Darin sammelte er die Schrittfolgen und Figuren der Tänze, die zu seiner Zeit in England getanzt wurden – einfache, mitreißende Gruppentänze, bei denen sich Paare in langen Reihen gegenüberstanden, tauschten, kreisten, sich wieder fanden. Man nennt diese Form bis heute Country Dance.

Was Playford damals aufschrieb, war keine Eintagsfliege. Diese Tanzform hielt sich über Generationen, wurde weitergereicht, verändert, neu arrangiert – und war genau die Grundlage dessen, was man ein Jahrhundert später, im Regency-Zeitalter, auf den Bällen der feinen Gesellschaft tanzte. Wenn Bridgerton also einen Ballsaal um das Jahr 1813 zeigt, ist die Bewegungssprache, die dort zu sehen ist, ein direkter Nachfahre von Playfords Sammlung.

Was an den Serienszenen erstaunlich echt ist

Die langen Tanzreihen, das ständige Wechseln der Partner, das gemeinsame Auf-und-Ab durch die Formation – all das ist keine dramaturgische Freiheit, sondern historisch fundiert. Genau das war der Witz an diesen Tänzen: Man tanzte nicht stundenlang mit derselben Person, sondern kam im Laufe eines einzigen Tanzes mit vielen verschiedenen Menschen in Berührung. Ein Ball war auch ein sozialer Raum – man zeigte sich, beobachtete, kam ins Gespräch, ohne dass ein Wort nötig gewesen wäre.

Was die Serie sich erlaubt

Natürlich ist Bridgerton keine Dokumentation. Kostüme, Kameraführung und Choreografie sind auf große Emotion und Nahaufnahmen ausgelegt – im echten Regency-Ballsaal stand man weiter auseinander, die Bewegungen waren kontrollierter, die große romantische Geste eher die Ausnahme als die Regel. Und doch: Die Grundstruktur der Tänze, die Formationen, das Prinzip des Country Dance – das ist kein Hollywood-Erfindungsgeist, das ist Playford, fast wortwörtlich.

Warum wir genau hier ansetzen

Bei Academia da Galanteria beginnen wir mit genau diesen Tänzen. Nicht, weil sie die einfachsten sind, sondern weil sie der Ursprung sind – die Wurzel, aus der sich all die Ballsäle entwickelt haben, die uns heute auf der Leinwand so verzaubern. Wer bei uns tanzen lernt, lernt nicht „die Tänze aus einer Serie nach“, sondern das, was tatsächlich dahintersteht.

Und das lässt sich anfassen: Kein Bildschirm, keine Kameraeinstellung – nur Musik, ein Raum und Menschen, die sich für einen Abend in eine andere Zeit versetzen lassen.


Dies ist der erste Teil unserer Reihe „Tanz in deinem Lieblingsfilm“. Als Nächstes werfen wir einen Blick auf die Ballsäle der Habsburger-Zeit – dort, wo Sissi ihre ersten Tanzschritte wagte.

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